Buddhismus

Grundgedanken des Buddhismus

  1. Der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung
  2. die Geisteshaltung der Güte

durchdringen diese Philosophie.

Zwei vorzügliche Grundlagen, um Wirtschaft, Gesellschaft und Fortschritt menschlicher zu gestalten.

Welche Ähnlichkeiten haben Buddhas und Einsteins Weltbild? Was kann die buddhistische Lehre zu unserem westlichen Weltverständnis beitragen und was bietet sie einem ganz persönlich für die eigene individuelle Entwicklung?

Der Buddhismus hat eine über 2.000 Jahre alte Tradition mit überaus mannigfaltigen Ausprägungen. Als eine der wichtigsten geistigen Strömungen Asiens hat er große Teile des Kontinents geprägt. In seinem Ursprungsland Indien ist er seit etwa 1.000 Jahren praktisch ausgestorben. In neuerer Zeit findet er im Westen vermehrtes Interesse, und dies im Zusammenhang mit so verschiedenen Gebieten wie (Natur-)Wissenschaft, Tourismus und Psychotherapie.

Für wissenschaftlich Orientierte ist es faszinierend zu hören, dass westliche Physiker wie Einstein im 20. Jahrhundert zu ähnlichen Schlüssen über die Welt und die menschliche Existenz kommen, wie Buddha vor zweieinhalbtausend Jahren.

Buddhas Lehre als Kulturgut gibt es auf vielen Ebenen: der religiösen, mythologischen, legendären, historischen und künstlerischen. Im Verständnis von Shaolin Österreich dient er vielmehr als Kulturgut zum Verständnis von sich selbst und der Welt.

close up of wood tasbihDer achtfache Pfad

  1. rechte Ansicht/rechte Einsicht
  2. rechtes Motiv/rechte Besinnung
  3. rechte Rede
  4. rechtes Tun
  5. rechter Lebensunterhalt
  6. rechte Anstrengung
  7. rechte Achtsamkeit
  8. rechte Konzentration

Alle Anleitungen beginnen mit „rechtes“. Darunter ist ganz allgemein „auf das Ganze bezogen“, „vollständig“, „was angemessen ist“, „was weder einseitig noch zwiespältig ist“ zu verstehen.

Die beiden ersten Regeln beziehen sich auf das Denken und die Gesinnung. Tun beginnt nicht erst mit der Tat. Die Vorbereitung für die Tat finden sich immer im Denken, ob bewusst oder unterbewusst.

Die Regeln drei bis sechs beziehen sich auf menschlich/sittliche Verhalten.

Und bei den letzten beiden Regeln geht es um ein mentales Training, den Zugang zu einer vertieften Betrachtung der Wirklichkeit.

rechte Ansicht/rechte Einsicht

Wirklichkeit ist, was ist und ist nicht, was nicht ist. Wirklichkeit existiert selbständig und unabhängig und kümmert sich nicht darum, ob wir von ihr Notiz nehmen. Rechte Ansicht soll dazu anleiten, die Dinge möglichst wahrheitsgetreu wahrzunehmen. Auch wenn es keine objektive Wahrheit gibt, so kann man doch mehr oder weniger subjektiv sein. Ausgeprägte Subjektivität ist dann mehr oder weniger täuschend, verzerrend und auf den unmittelbaren eigenen Vorteil bedacht. Zu einem Sachverhalt kann man verschiedene Standpunkte einnehmen und es ist sinnvoll, einen Sachverhalt von mehreren Seiten her zu betrachten. Dies gibt einem die Freiheit, selbst die Betrachtungsweise verändern zu können und sich nicht in einen Standpunkt zu verbeissen.

rechtes Motiv/rechte Gesinnung

Meint, man solle sich seiner eigenen Motive zuerst bewusst werden, aus denen heraus man handelt. Die Motivationen sollen zuerst untersucht und die Ideen gereinigt werden, bevor man sich in Aktivitäten stürzt. Bevorzugt geht es hier darum, dass man weder sich selbst noch anderen etwas vormacht. Es geht darum, sich sämtlicher Motive seines Handelns im Klaren zu sein, sie zu ergründen und mit sich selbst ehrlich und achtsam umzugehen. Rechtes Motiv führt zu innerer Überzeugung. Es entschwindet, das Gefühl der Opfer-Rolle und erwartet daher auch keinen Dank. Denn das, was man tut, macht man voller Sinn und mit Freude. Rechtes Motiv ist immer voller Güte, friedvoll wohlwollend.

rechte Rede

Unter rechter Rede verstehen die Shaolin eine Sprache, die nicht zu Haß, Feindschaft, Uneinigkeit und Zweitracht führt. Das bedeutet auf Lüge, Verleumdung, auf die Rede eines Schmeichlers, leeres Geschwätz oder Klatsch zu verzichten. Es empfiehlt auch, auf das Anheizen allgegenwärtig vorhandener, niederer Instinkte wie Gewalt, Sensation oder sinnlose Flucht zu verzichten. Statt dessen sprechen Buddhisten mit ehrenhaften, friedfertigen und heiteren Worten wohlwollend, den Tatsachen gemäß, wertvoll.

rechtes Tun

Rechtes Tun ist furchtlos. In jeder Situation heraus soll den Umständen entsprechend zweckmäßig und zum Wohl der Gemeinschaft gehandelt werden. Denn das Überleben der Gemeinschaft includiert das persönliche Überleben. Alles was Friede, Ruhe, Harmonie erzeugt, was geistig gewinnbringend ist, das heißt zu Erkenntnis, Weisheit und Wohlbefinden führt, ist erwünscht. Gesundheit und materieller Wohlstand sind ein Nebenprodukt von Erkenntnis, Weisheit und Wohlbefinden und materieller Wohlstand ist keine Sünde. Reichtum ist nicht an sich gut oder böse, man kann ihn auf eine ehrliche und wohlwollende Art und Weise erwerben oder auch nicht, und man kann Reichtum benützen um andere zu unterstützen oder auch nicht. Unabhängigkeit und Eigenverantwortung sind aus buddhistischer Sicht auch im materiellen Bereich erstrebenswert.
Das es im Buddhismus nicht um Moral, Gebote und Verbote geht, erwartet ein westlicher Mensch zuallererst nicht. Die buddhistische Ausrichtung und Atmosphäre hat weniger mit Religion im westlichen Sinne gemein, als mehr mit einem geistigem Fitness-Center, Massage und Sauna. Es geht darum, dass man sich vom Leiden befreien kann, dass man sich wohl fühlt, gesund ist und neue Einsichten gewinnt. Das Handeln soll nicht auf Gehorsam und blindem Befolgen von Geboten basieren, denn aus Schwäche erwächst kein Gewinn, weder materieller noch geistiger Natur. Rechtes Handeln gründet auf Einsicht, Verstehen und innerer Überzeugung.

Ganz allgemein geht es beim rechten Tun weniger um Moral/Gehorsam und es geht letztendlich auch nicht um Gut oder Böse, Richtig oder Falsch, als vielmehr um das Erlangen von Erkenntnis und Weisheit. Ein weiser Mensch handelt nach eigener, innerer Überzeugung und damit zugleich in Harmonie mit dem gesamten System, sein Tun unterliegt seiner Selbstverantwortung und nicht einer moralischen Gehorsamkeit. Alle Gedanken selbstsüchtigen Begehrens, des Hasses und der Gewalt sind nur das Ergebnis von Unwissenheit, also von mangelnder Erkenntnis. Erkenntnis beinhaltet nicht nur intellektuelles Verstehen, sondern auch Reinheit der Gedanken und Gefühle und schließt immer auch Wohlwollen ein. Wohlwollen und Güte sind wesentlich wichtiger als sittliche und moralische Zucht

rechter Lebensunterhalt

Stellt klar, es ist zukunftsträchtiger seinen Unterhalt mit einer Tätigkeit zu verdienen, welche andere Lebewesen unterstützt. Zum Töten und Essen von Tieren gilt folgendes: Fleisch essen ist nicht verboten. Es kann unter Umständen sogar notwendig sein. Nahrung die gewonnen werden kann, ohne tierisches Leben zu zerstören, soll jedoch den Vorzug erhalten. Wenn Tiere getötet werden, sollte dies rasch, leidenschaftslos, ohne Gier und Hass geschehen. Es geht um ein Maßhalten und ein sich-zurückhalten mit Handlungen, die mit Töten von Tieren verbunden ist

rechte Anstrengung

Umfaßt geistige Anstrengung, die sowohl Gedanken als auch Gefühle und Emotionen umfasst. Unsere eigenen Gedanken und Gefühle sind der Stoff, die unseren Geist füllen und von denen wir uns geistig ernähren. Auf der körperlichen Ebene sind wir an Sauberkeit und Hygiene gewöhnt. Wir waschen uns jeden Tag, putzen jeden Tag zweimal unsere Zähne und das lernen wir schon als kleines Kind. Mentale Sauberkeit wird uns nicht von Kindesbeinen an beigebracht. Wir nehmen uns selten Zeit gewahr zu werden womit wir unseren Kopf füllen und damit prägen oder vielleicht sogar schädigen. All das kann als Zeichen für eine ausgeprägte körperbetonte Lebenseinstellung gewertet werden.
Zur rechten Anstrengung gehört auch das Einüben folgender Eigenschaften, welche im Buddhismus eine wichtigen Stellenwert haben: Wohlwollen und Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Wohlwollen ist ein zentraler Begriff. Es ist das zentrale Prinzip in der Haltung zu Mitmenschen. Wohlwollen bedeutet eine grundsätzlich positive Geisteshaltung gegenüber anderen. Wohlwollende Menschen begegnen ihren Mitmenschen in der Güte, ihn so leben zu lassen wie er es selbst für zweckmäßig empfindet und helfen dabei, falls er dies wünscht.

Das Einüben von zweckmäßigen Gedanken ist eine Art meditatives, mentales Training. Bei diesen Übungen beginnt man immer bei sich selbst. Der erste Schritt ist, zu sich selbst „wohlwollend“ zu werden; sich selbst mit all seinen Fehlern und Schwächen annehmen zu lernen. Dann dehnt man diese Haltung auf die nähere und weitere Umgebung aus. Erstes großes Ziel ist das grundsätzliche Annehmen können von Wirklichkeit. Die Tatsache, dass „Wohlwollen zeigen“ bei sich selbst beginnen soll, stößt im Westen oft auf Missverständnis und wird leicht als „egoistisch“ bezeichnet. Auf der Ebene der materialistischen, vom Ganzen abgetrennten Sichtweise trifft diese Behauptung auch zu. Beim buddhistischen Grundverständnis, sich „als Teil eines Ganzen mit einem ursächlichen Bezug zu diesem Ganzen“ zu verstehen, bedeutet „bei sich selbst anzufangen“, den ersten Schritt zu setzen.

Auch Mitgefühl sollte auf emotionsfreie Art entgegengebracht werden. Wenn man jemanden unterstützen möchte, dann bringt man Mitgefühl für seine Situation und unterstützt, falls gewünscht, mit kühlem Kopf und Verstand, ruhig und neutral, etwa so, wie ein Arzt etwas schädliches erkennt und entfernt.

Mitfreude ist das Gegenstück zu Mitgefühl. Sie ist die Fähigkeit, sich über das Wohlergehen, den Erfolg und die Zufriedenheit anderer zu freuen, ohne Eifersucht und Neid.

Gleichmut bedeutet ein bewusstes geistiges Gleichgewicht, eine gewisses innere Losgelöstheit. Hier geht es darum, nicht einseitig sondern im Gleichgewicht zu sein und sich nicht so leicht aus der Fassung bringen zu lassen.

rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration

Beide Pfade betreffen ein Bewusstseinstraining, dass man eine Meditation im weitesten Sinn bezeichnen kann. Alle anderen sechs Pfade sind die Vorstufe für die beiden Letzten. Hier geht es nicht mehr um konkrete Anweisungen für das Denken und Handeln, sondern um das Bewusstwerden der emotionalen und mentalen Prozesse.
Es gibt keinen Buddhismus ohne praktische Übungen, und diese wird im allgemeinen Meditation genannt. Dabei gibt es unzählige Techniken und Methoden, die im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende entwickelt worden sind. Es gibt nicht nur eine Technik, wobei bestimmte Arten für bestimmte buddhistische Richtungen typisch sind. Für die Shaolin-Mönche sind die Meditation im Sitzen und in der körperlichen Bewegung, im Qi Gong und im Gong Fu, von zentraler Bedeutung.

Meditieren bedeutet „innehalten, gewahr werden, fühlen und spüren, bewusst werden“. Ein Grossteil der öffentlichen Meinung scheint eine innere Entwicklung zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Auch hört man zuweilen, Meditation sei eine fernöstliche, uns fremde Sitte, die nichts mit der westlichen Kultur zu tun hätte. Meditieren hat aber ebenso wenig mit Kultur zu tun wie Denken, Gehen, Schlafen oder Körpertraining.

Dabei ist die Entwicklung der eigenen Fähigkeit ganz wichtig. Ein Blinder der im Dunkeln herumtappt, kann keine Gefahr frühzeitig erkennen und ihr somit auch nicht ausweichen oder eine andere Möglichkeit ergreifen. Er bedarf oft der Unterstützung durch seine Umgebung.

Meditieren bedeutet, zuerst die eigenen Möglichkeiten und Einschränkungen wohlwollend wahrzunehmen und sich von eventuellem Ballast zu befreien, allerlei unzweckmäßigen Unrat auszuräumen. Eigenständigkeit, Vertrauen in sein eigenes Urteil und sein eigenes Gefühl sowie Furchtlosigkeit entstehen. Meditation ist dient der eigenen Gewahrwerdung und ihr Wert zeigt sich darin, ob sie dem persönlichen Wohlergehen zuträgliche ist. Eine meditative Haltung ist nicht auf eine bestimmte Position bezogen. Sie ist vielmehr eine bewusste, offene Geisteshaltung bei einer Tätigkeit. Die Achtsamkeit im täglichen Tun ist Teil der siebten Regel. Der Übergang zur achten Regel, rechte Meditation ist fließend. Bei beiden Regeln geht es um die Erhöhung der Achtsamkeit.

In buddhistischen Ländern sind Klöster Kulturzentren, die auch von Laien aufgesucht werden und Mönche sind hochgeachtet, da sie einen Bewusstheitsgrad, eine Klarheit und eine Weisheit erhaben, die sie anderen zur Verfügung stellen können. Auch Wirtschaftsfachleute und Politiker nutzen diese Dienstleistungen eines Kulturzentrums.

Es gibt nicht nur verschiedene Meditationspraktiken. Es gibt auch verschiedene Meditiationsziele. Entspannung und Konzentration bilden bei allen Techniken die Vorstufe. Dann stellt sich die Frage, was bezweckt werden soll. Das Gleichnis mit dem Gehirn als Fernseher ist hier nochmals zweckmäßig: Das Gehirn ist das Fernsehgerät mit dem verschiedene Programme empfangen werden können. Je höherwertig das Gerät, desto mehr Programme können gespielt werden und desto mehr Möglichkeiten stehen zur Auswahl. Ein Ziel im Buddhismus ist auf die Fokussierung des Geistes gerichtet, auf eine tiefe Sammlung und Konzentration, Samadhi, genannt. Manchmal auch als „Einspitzigkeit des Geistes“ bezeichnet.

Die Achtsamkeit ausgewählter Meditationen kann sich auf vier verschiedene Ebenen richten: den Körper (die materielle Ebene), die Gefühle und Empfindungen (die emotionale Ebene), das Denken/den Geist (die mentale Ebene) und das Dharma, die Bedingungen der menschlichen Existenz

yin yangDharma

Eine der wesentlichsten Grundlagen des Buddhismus ist die Lehre des Dharma. Sie besagt, dass der Kosmos ein geschlossenes System ist und eine definierte Ordnung hat. Es existiert ein Gesetz, dem alles unterstellt ist.

Die Lehre des Buddha könnte in einem einzigen Wort zusammengefasst werden: Dharma. Es ist das Prinzip der Redlichkeit. Die Wahl, nach Dharma zu leben, fällt man nicht, um einem höheren Wesen, einer höheren Macht zu gefallen. Sondern um sich selbst und seinen höchsten inneren Ansprüchen an sich selbst als Mensch gewahr zu werden.

Für viele Menschen schwer verständlich, existiert Dharma nicht nur im Menschen selbst. Dharma existiert auch im Universum. Dharma ist die Ordnung, die Struktur im Universum, welche den Rahmen dafür gibt, dass sich Materie so verhält, wie sie die modernen Wissenschaften Physik, Chemie, Biologie, etc. zeigen.

Die Erkenntnis von Dharma wird nicht durch ein Anbeten einer Gottheit noch durch eine besondere Zeremonie erreicht. Sondern nur durch Erkenntnis von sich selbst und der Erkenntnis übergeordneter Strukturen. Und das ist zugegebenermaßen nicht immer leicht.

Im ersten Schritt bedeutet nach dem Dharma zu leben, sich selbst besser kennen- und damit auch besser entwickeln zu lernen. Das bedeutet sich von einem einsam fühlenden Egoisten zu einem, in einer Gesamtheit integrierten Individuum zu entwickeln, dass nach Gesetzmäßigkeiten lebt, welche mit übergeordneten Gesetzmäßigkeiten in Einklang steht. Interessant an Dharma ist vielleicht, das es höchst individuell und zugleich außergewöhnlich universell und ganzheitlich ist. Innerhalb einer übergeordneten Struktur hat jeder Baustein seinen Platz. Verlässt er diesen und nimmt er unkoordiniert den Platz eines anderen ein, kommt es zu einem Unfall. In der Erkenntnis des Dharmas zu leben ist, seine Stellung und seine Aufgaben in Bezug zum Ganzen zu erkennen wahrzunehmen.

Die Kenntnis von Dharma etabliert sich in einer bemerkenswerten Achtung vor allem Seienden, vor der ganzen Natur. Ein Buddhist hat keine Probleme mit ökologischer Lebensführung, ja es gehört zu seiner Grundhaltung. Im Gegenteil, sein ökologisches Denken geht viel weiter. Er wird niemandem seiner Freiheit berauben und Menschen, Tiere und auch leblose Materie nicht als sein Eigentum, sondern als ihm anvertraut betrachten – so als seien sie nicht seinetwegen, sondern er ihretwegen da.

Buddha_shaolinoesterreich.atDie 4 edlen Wahrheiten

Die Erkenntnis die Buddha zugeschrieben wird, wird in vier Sätzen zusammengefasst und tradtionell als die “Vier edlen Wahrheiten” bezeichnet. Diese lauten wie folgt:

  1. Es gibt im Leben Leid (dukkha)
  2. Dieses Leid entsteht durch Begierde und Egoismus.
  3. Es ist möglich, sich von diesem Leid zu befreien.
  4. Der Weg dazu ist der achtfache Pfad zum rechten Leben.

Es gibt im Leben Leid (dukkha)

Mit Dhukka verstehen wir die Grundangst des Menschen nicht erwünscht zu sein, in einer lebensfeindlichen Umwelt sich zu befinden und in einem immerwährenden Kampf ums Überleben zu sein. Die erste edle Wahrheit Buddhas ist kein Pessimismus. Sie stellt eine Standortbestimmung dar. Bevor man Wege zu einem zufriedenen und erfüllenden Lebens aufzeigt, muss man den Ausgangszustand klar erfassen. Man kann sich erst größerer Freude und Zufriedenheit zuwenden, wenn man sich seines mäßigen Glücks und seiner mäßigen Zufriedenheit bewusst ist. Wenn man überhaupt wahrnimmt, dass mehr Freude und Zufriedenheit möglich sind.
Viele Menschen möchten vielleicht die Möglichkeiten des Lebens gar nicht in ihrer gesamten Tragweite erfassen, weil ihnen damit zuviel Leid bewusst würde und sie es vielleicht gar nicht ertragen könnten. Eine Bewältigung dieser Situation gelingt durch einen Bewusstwerdung- und Loslösungsprozess. Auch die westliche Tiefenpsychologie beschreitet den Weg, dass Verdrängen oder Nicht-Wahrhaben-wollen zwar kurzfristig nützlich sein und über etwas hinweghelfen kann. Eine dauerhafte und langlebige Lösung ist das aber nicht.

Dieses Leid entsteht durch Begierde und Egoismus.

Die zweite edle Wahrheit gibt Auskunft, darüber wie diese Leiden entsteht. Mit Worten unserer Zeit: dieses Leiden entsteht durch das Verlangen, durch den Willen, “zu haben”, zu besitzen”, “immer mehr zu haben”, “immer mehr zu wachsen”, “immer mehr anzuhäufen”. Dieses Verlangen oder dieses Wollen bezieht sich auf materielle Ziele wie finanzieller Reichtum. Es bezieht sich aber auch auf sinnliche Vergnügen, Macht, Wichtig zu sein und auf das Festhaften an Vorstellungen, Ideen, Ansichten, Meinungen, Werten und Einstellungen. Nicht das dieses Verlangen negativ ist oder als “schlecht” zu bezeichnen ist. Es ist so wie es ist und es verursacht Konsequenzen.

Es ist möglich, sich von diesem Leid zu befreien.

Der achtfache Pfad ist eine Möglichkeit, sich über den endlosen Kreislauf der ummittelbaren Bedürfnisbefriedigung zu erheben und den immerwährenden, da nie unterbrochenen Kreislauf des Egosimus zu beenden.

Der Weg dazu ist der achtfache Pfad zum rechten Leben.

Das Auflösen des immerwiederkehrenden Kreislaufs gelingt durch aktives Leben des achtfachen Pfades. Diesen Weg gehen, bedeutet, durch aktives und eigenbestimmtes Infragestellen und Wandeln eingefahrener Muster und Strukturen Veränderungen und positive Entwicklungen einzuleiten. Mehr von dem Höchsten in seinem eigenen Inneren gewahr zu werden. Die Entfaltung der inneren Natur des Menschen.

Der achtfache Pfad

IMG_2019Die wichtigsten Missverständnisse

Der Buddhismus behandelt nicht unbedingt jene Fragen, die für westliche Menschen zentrale religiöse Fragen sein mögen. Deshalb sollen hier zuerst die wichtigsten Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Inhalt:

Es ist kein Glaubenssystem
Es ist eine Sowohl-als-auch–Philosophie
Keine esoterischen, metaphysischen Spekulationen
Der Begriff der Wahrheit
Das buddhistische Weltbild ist nicht materialistisch
Es ist keine Ideologie

Es ist kein Glaubenssystem

Buddha legte großen Wert darauf, dass man nicht blind glaubt. Eine Lehre soll erst dann als wahrhaftig angenommen werden, wenn man durch eigene Erfahrung erkannt hat, dass sie zu Erkenntnis führt und sich positiv auswirkt. Außer der Prüfung durch die eigene Erfahrung gibt es kein Dogma und keine Autorität. Wenn eine Idee als Dogma behandelt wird, so entbindet das Lehrer und Schüler davon über diese Idee nachzudenken.

Nicht blind glauben ist die eine Seite der Anleitung Buddhas. Die andere ist nicht in Zweifelsucht zu verfallen. Zweifelsucht gilt als großes Hindernis bei der Entwicklung eines wachen Bewusstseins. Der angestrebte Weg (dharma) ist auf sein eigenes, inneres intuitives Gefühl vertrauen zu lernen und diesen zu entwickeln.

Es ist eine Sowohl-als-auch–Philosophie

Im Westen ist man z.B. Christ oder Moslem, Christ oder Buddhist. Selbst innerhalb des Christentums ist man Katholik oder Protestant! Dieses Entweder-Oder-Denken ist sehr untypisch für den Buddhismus. Hier gibt es kein Entweder-Oder, sondern vielmehr ein Sowohl-als-auch. Es spielt keine Rolle, von woher Gedanken und Anstösse kommen, die einen weiterbringen.

Die Entscheidung, was für einen Gut und Schlecht ist liegt bei einem selbst. Und wenn Religionen und Philosophien wirklich nur das Gute wollen für die Menschheit, und somit ein gemeinsames Ziel haben, dann können sie auch zusammenarbeiten, damit sie sich die Arbeit erleichtern.

Diese grundsätzliche Sowohl-als-auch Haltung hat auch die sprichwörtliche Toleranz zur Folge, die dem Buddhismus zu eigen ist. Der Buddhismus hat nie verlangt, dass seine ihm Gewogenen ihm ausschließlich angehören und ihre früheren Verbindungen mit anderen Religionen aufgeben. Es gibt auch keine Instanz, die über die Zugehörigkeit oder über den Ausschluß entscheidet. Es gibt also weder Taufe noch Exkommunion. Der Buddhismus sieht sich daher nicht als Konkurrenz zu Religionen. Woher und aus wie vielen Quellen die eigene Erfahrung kommt, ist letztlich unwesentlich.

Keine esoterischen, metaphysischen Spekulationen

Fragen, die in westlichen Religionen von zentraler Bedeutung sein mögen, betrachtet der Buddhismus nicht nur als unbeantwortbar, sondern auch als unwesentlich, da ihre Beantwortung nichts zur geistigen und menschlichen Reife beiträgt. Es geht um ganz pragmatische, nützlichkeitsbezogene Erkenntnisse, die den Menschen weiterbringen sollen. Was nicht weiterhilft, ist nicht von Belang!

Im Zusammenhang mit dem Anfang und dem Ende der Welt betonte der Buddha die Unendlichkeit der Zeit, der Weltsysteme und der Galaxien wie folgt: Das Ende ist noch so viele Jahre entfernt, wie man bräuchte, um den Himalaya abzutragen, indem man ihn alle hundert Jahre mit einem Samttüchlein berühren würde.

Der Begriff der Wahrheit

Über Wahrheit lässt sich streiten, wenn notwendig bis zum Glaubenskrieg. Was unter Wahrheit verstanden wird, ist auch von Religion zu Religion und von Philosophie zu Philosophie verschieden. Viele Religionssysteme und Philosophien gehen davon aus, dass es die eine Wahrheit gäbe.

Der buddhistische Wahrheitsbegriff ist ein anderer. Er ist sozusagen asymptotisch zu verstehen, das heißt, man kann sich der Wahrheit immer mehr nähern, aber sie ist unendlich, und ganz wissen kann man sie nicht. Dazu ein bekanntes Gleichnis:

Ein König lies einmal alle Blindgeborenen der Stadt versammeln, um ihnen eine Elefanten vorzuführen. Ein Mann wurde beauftragt, die Blinden zum Elefanten zu führen, damit sie ihn betasten und ihn später beschreiben konnten. So zeigte der Mann einigen Blindgeborenen den Kopf, anderen das Ohr, anderen wiederum die Beine, einigen den Körper, einigen das Hinterteil, einigen den Schwanz.

Darauf forderte der König die Blindgeborenen auf, den Elefanten zu beschreiben. So beschrieben jene die den Kopf befühlt hatten, der Elefant sei wie ein Kessel. Diejenigen die den Zahn befühlt hatten, er sei wie eine Pflugschar, usw. Leider hielt jeder Blinde seine Beschreibung für die einzig richtige und verfocht sie deshalb auch immer heftiger, so dass die Beschreibung des Elefanten schließlich zu einem Handgemenge der Blinden ausartete!

Aus diesem Gleichnis lassen sich folgende buddhistische Anschauungen ableiten.

  1. In einem gewissen Mass sind wir alle blind/ teilgebildet. Wir erfassen nicht die ganze Wahrheit
  2. Einen Aspekt oder eine Teilwahrheit zu erhaschen ist für jeden Menschen möglich.
  3. Das Problem besteht darin, dass jeder dazu neigt, seine Teilwahrheit/seinen Teilaspekt für die einzige richtige, ja sogar für die gesamte Wahrheit zu halten.
  4. Da einem nur ein Teilaspekt zugänglich ist, besteht die Gefahr der Fehlinterpretation.
  5. Das Verhaftet-sein an früher betasteten Objekten kann zu Fehlern führen. In der Vergangenheit Erfahrenes und Gelebtes kann nicht Antworten auf die Fragen der Gegenwart geben.
  6. Die Wahrheit ist sowohl-als-auch. Die einzelnen Teilaspekte schließen sich nicht aus, sondern ergänzen zu einem größeren Ganzen.
  7. Je mehr von der Wahrheit erfasst wird, desto schwieriger wird es, sie in alten, bekannten Worten zu vermitteln und desto leichter wird das Zulassen anderer Teilwahrheiten,die man zuvor für unmöglich gehalten hat.

Das buddhistische Weltbild ist nicht materialistisch

Viele westliche Menschen haben ein materialistisches Weltbild, auch wenn das vielen Menschen nur unterbewusst ist. Erstaunlich ist diese Tatsache insofern, als das auch das christliche Weltbild kein materialistisches Weltbild vertritt: Am Anfang war das Wort!

Das buddhistische Weltbild ist eine Sicht der Dinge, nach der der Geist, die Idee, das Denken vor der materiellen Grundlage steht. Oder anders ausgedrückt: die materiellen Grundlagen werden erst dank der Ideen geschaffen. Nicht die Frage nach dem Gewinn wird zuerst gestellt, sondern vielmehr werden die „Anforderungen des Gesamten“ in Einklang gebracht. Dieser Ansatz fängt nicht erst mit dem Tun/mit der Tat an. Die Vorbereitungen für das Tun finden immer im Denken statt, ob bewusst oder unterbewusst ist nicht die Frage.

Ein materialistisches Weltbild äußert sich in der Wirtschaftsordnung die unsere Gesellschaft dominiert, wo Menschen als austauschbare und wegwerfbare Rädchen funktionieren und der Sinn des Lebens oft nur noch in diesem reibungslosen Funktionieren gesehen wird. Auch die westliche Medizin basiert auf der Annahme, der menschliche Körper funktioniere wie eine Maschine oder ein chemisches Labor: im Bedarfsfall gibt man die fehlenden chem. Substanzen ein oder ersetzt den Teil. Der Körper wird zu einer Art mechanischem Baukasten, das Immunsystem versucht man zu überlisten. Mit diesem System haben wir zwar viel erreicht, aber auch viele neue Probleme geschaffen. Irgendwelche Pillen bewirken irgendwelche chemischen Vorgänge. Und damit hofft man, der Fall sei erledigt. Denn wenn die Chemie im Körper richtig funktioniert, funktioniert auch der Mensch wieder. Bewusstsein gilt ebenfalls als Produkt chemischer Prozesse im Gehirn.

Vielleicht ist aber das Gehirn nicht nur ein chem. Labor, sondern auch so etwas wie ein Fernsehapparat. Die Qualität von Bild und Ton hängt zwar von der Qualität der einzelnen Bestandteile ab und diese kann man reparieren und ersetzen. Aber das gespielte Programm hängt nicht vom Fernseher ab und wenn es einem nicht gefällt, kann man den Fernseher noch so viel reparieren, das gespielte Programm wird dadurch nicht besser.

Es ist keine Ideologie

Jede Ideologie ist eine Verzerrung/Verkennung der Wirklichkeit. Eine Ideologie im hier verwendeten Sinne ist eine Idee die sich selbständig gemacht hat, d.h. nicht mehr der Überprüfung durch die Wirklichkeit unterworfen ist und sich dadurch von der Wirklichkeit entfernt. Das Missachten der Wirklichkeit erzeugt Sachzwänge und darauf aufbauend eine Eigendynamik. Das sich daraus entwickelnde System dient nicht mehr der Gesamtheit der Menschen, sondern die Gesamtheit dient dem System. Oft ist es ein von Menschen geschaffenes System, das außerhalb der Kontrolle des Menschen in die Unbewusstheit abgerutscht ist. Damit niemand auf kritische Ideen kommen kann und so der Ideologie gefährlich werden könnte, sind Ideologien sehr intolerant, d.h. Andersdenkende werden nicht geduldet. Anders im Buddhismus: Hörigkeit und Intoleranz sind ihm fremd.