Hintergrund und Geschichte des Shaolin Tempels

Shaolin bedeutet „junger Wald“. Das Bergmassiv Haoshan breitet sich im Norden Chinas aus. Die umliegenden Berggipfel des dort gebauten Klosters wurden im 5. Jahrhundert nach Chr. zum Schutz gegen den Wind mit jungen Kiefern bepflanzt. Heute heißt der gesamte Ort um das Kloster und die nähere Umgebung Shaolin.

Das Shaolin Kloster in Henan zählt mit seinem über 1.500-jährigen Bestehen zu einem wesentlichen Bestandteil der chinesischen Geschichte.

Seine Gründung im Jahre 495 erfolgte auf Befehl des Kaisers Xiaowen für den indischen Mönch Batuo, der sich dort mit der Übersetzung buddhistischer Schriften beschäftigte.

Im Jahre 527 kam der Überlieferung nach der indische Mönch Bodhidharma, der in direkter Schülerlinie zum Gründer des Buddhismus, dem Gautama Buddha, stehen soll, zum Shaolin Kloster. Auf sein Wirken geht einerseits die Tradition des Chan- (jap.: Zen-) Buddhismus in China zurück, das Shaolin-Kloster ist somit das Heimatkloster des chinesischen Chan-Buddhismus. Andererseits hat der Überlieferung zufolge Bodhidharma auch die Anfänge zum Kung Fu (Gong Fu) des Shaolin-Klosters gelegt.

Auf Bodhidharma geht nämlich eine Methode der Meditation zurück, welche „Anstarren der Wand“ genannt wird. Aufgrund des langen unbeweglichen Sitzens soll er für die Mönche verschiedene, den (18) Tieren nachempfundene Bewegungsarten entwickelt haben, die gleichsam den Grundstock bildeten für spätere Kampfkünste.

Aus diesem zen-buddhistischen Ursprung entwickelte sich jedenfalls die wesentliche Charakteristik chinesischer Kampfkunst, nämlich die Einheit oder auch Durchdringung von körperlichen und geistigen/meditativen Elementen, was sich z.B. in der Übung und Anwendung gewisser Atemtechniken (Qi Gong) niederschlägt.

Gegen Ende der Sui-Dynastie (581-618) wurde das Reich durch zahlreiche Kriege erschüttert, so dass das Shaolin-Kloster zum ersten Mal zerstört, doch dann wieder aufgebaut wurde.

Frühe Berühmtheit erlangte das Shaolin-Kloster in der Phase der Errichtung der Tang-Dynastie (618-907) durch Li Shimin (598-649), den späteren Tang-Kaiser Taizong. In einer Schlacht gegen einen General der Sui im Songshan-Gebirge wurde Li Shimin gefangen genommen und seine Armee zerschlagen. Als letztes Mittel für seine Rettung schickte er einen schriftlichen Hilferuf an die Shaolin-Mönche. Die Mönche, die dem Sui-General übelnahmen, dass er ihnen ihr Land weggenommen hatte, entsandten 7 Mönche, um Li Shimin zu befreien.

Als Li Shimin später Kaiser der Tang-Dynastie wurde, belohnte er die Mönche und schenkte ihnen 40 Hektar Land, um das Kloster auszubauen. Li gab dem Anführer der Sieben sogar den Titel eines Generals und bat ihn, eine Armee von Mönch-Soldaten bereitzustellen. Über diese Begebenheit existiert im Shaolin-Kloster eine vom Tang-Kaiser in Auftrag gegebene Steininschrift (Stele).

In den Dynastien Song und Ming erlangte das Shaolin-Kloster ein derartiges Ansehen, dass Mitte der Ming (ca. 16. Jh.) um die 400 Mönche dort gelebt haben sollen. 1644 wurde die Ming-Dynastie durch die Mandschuren verdrängt, welche die Qing-Dynastie (1644-1911) errichteten. In dieser Dynastie setzte ein allmählicher Niedergang ein. Unter den einfachen Leuten war die Qing-Dynastie nicht beliebt. An der Bewegung für eine Wiederherstellung der Ming-Dynastie waren Shaolin-Mönche nicht unbeteiligt. Da sie großes Ansehen bei den Herrschern der Ming-Dynastie genossen und folglich als Mitträger des Widerstandes gegen die neue Dynastie galten, wurden sie von der Qing-Dynastie mit Argwohn betrachtet, weshalb einige Qing-Herrscher auch jegliche Art von Kampfsport verboten und jeder mit dem Tode bestraft wurde, der bei der Ausübung von Kampfsport erwischt wurde. Trotzdem wurden die Kampfkünste im geheimen und verborgenen weiter überliefert. Während der Mitte der Qing-Herrschaft änderte sich die feindliche Einstellung der sowohl der Bevölkerung als auch der Shaolin-Mönche zur bestehenden Dynastie.

So stammt die über dem Bergtor (shanmen) angebrachte kalligraphische Inschrift „Shaolin-Kloster“ von dem berühmtesten Kaiser der Qing-Dynastie, dem Kangxi-Kaiser (1662-1723); sie wurde angebracht, nachdem das Kloster während dessen Regierungszeit zum zweiten Mal abgebrannt und wieder restauriert worden war. Dies zeigt auch die Wertschätzung, die das Shaolin-Kloster – trotz zeitweiser Verfolgung – während der mandschurischen Fremdherrschaft Chinas genoss.

Ein drittes Mal wurde das Kloster in den Wirren der chinesischen Republikzeit zerstört, als sich nämlich in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Cliquen der damaligen Warlords in der Provinz Henan heftige Gefechte lieferten. Nach Beschuss durch den Warlord Shi Yousan im Jahre 1928 brannte das Kloster 40 Tage lang. Da 16 Hallen völlig ausbrannten, gingen viele der kulturellen Gegenstände für immer verloren.

Nach dieser dritten und letzten Zerstörung wurde das Kloster 1978 mit Hilfe der Provinzregierung von Henan wieder aufgebaut und verschiedene Teile des Tempels wurden restauriert. Heute leben ungefähr 300 Mönche im Tempel. Von seiner Gründung bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches (1911) ist die Abfolge der Äbte des Shaolin-Klosters lückenlos belegt.

Unter der Leitung seiner Heiligkeit Abt Shi Yong Xin hat der Shaolin Tempel begonnen, seine Weisheit auch an Menschen außerhalb Chinas weiter zu gegeben. Damit steht Wissen und Erfahrung von mehr als 1.500 Jahren zur Verfügung. Immer Mehr erkennen den Nutzen dieser weltberühmten Tradition.

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